In früheren Zeiten ertappte sie sich häufig dabei, dass ihr das Körperliche schnell bedrohlich erschien. Es bedeutete zu viel Nähe und Verschmelzung mit dem Partner und ließ sie sich selbst verlieren. In einer intensiven Beziehung war ihr deshalb die Distanz zum anderen enorm wichtig. Ein Grund für ihre Anorgasmie entstand aus der Furcht, ganz und gar vereinnahmt zu werden. In den Besitz des Anderen überzugehen, widerstrebte ihr zutiefst, erfüllte aber zugleich einen ihrer sehnlichsten Wünsche. Den nach Auflösung aller irdischen Grenzen. Der Höhepunkt ist ein kleiner Tod.

Die Nacht umgab das Haus mit majestätischem Schweigen. Der Mond erleuchtete die Landschaft. Leise knisterten die Schneeflocken auf dem Geäst vor dem Fenster. Der sternenklare Himmel brachte mit seinem eiskalten Wind die losen Kristalle auf dem Dach zum herumtollen. Der Kerzenschein tauchte das Zimmer in ein mildes und versöhnliches Licht. Nichts von ihrer inneren Spannung war dem Raum anzumerken. Von außerhalb flackerte das Kaminfeuer und umhüllte ihren regungslosen vor Pein und Anstrengung vibrierenden Leib mit wohliger Wärme.

Es geschah alles in ihr selbst. Über zehn Minuten kämpfte sie mit der Macht der Steine. Bis sie nach schier unendlicher Leidenszeit beschloss loszulassen. Sie holte mehrere Mal tief Luft und übergab sich dem harten Untergrund. Sie nahm ihr zuvor unerträglich empfundenes Joch nun gleichmütig an und entspannte mit jedem Atemzug. Wie durch Zauberkraft gelöst, umschmiegte ihr Becken den ungeliebten Druckpunkt. Ein sanftes Knirschen in ihrer Lende führte zu noch tieferer Befreiung. Sie stöhnte leicht und fühlte zum ersten Mal ihre Weiblichkeit ohne jeglichen Zwang.

Er begann mit der Feder, die neben dem Bett lag, die obere Seite ihre Schenkel hinauf zu gleiten. Ganz langsam näherte er sich ihrem Schoß. Vom Kampf gegen sich selbst erschöpft, aber nun willens sich der Erregung hinzugeben, nahm sie die Berührungen so sanft wahr wie nie zuvor. Die Steine zwangen sie unnachgiebig sich zu entspannen. Jegliches Anstrengen der Muskeln führte ohne Umschweife wieder zu einer schmerzhaften Begegnung mit sich selbst. So vergaß sie die Umgebung und genoss mit geschlossenen Augen den Segen dieser schrecklich schönen Momente. Jetzt war sie empfänglich für höhere Weihen...