Er schien die Erniedrigung zu mögen, die sie ihm durch ihre Tat zuteilwerden ließ. Vielleicht wollte er ihr damit zeigen, dass selbst solche Gesten im Auge des Betrachters liegen. "Jetzt ist aber Schluss mit dem verständnisvollen Getue" hörte sie ihre innere Stimme sich befehlen. Sie beobachtete sich dabei, wie sie vom Jammertal des Zornes zum Olymp der Hingabe in Bruchteilen der Zeit marschierte. "Willkommen in meiner Gemütsverfassung" rief es aus der anderen Seite ihres Kopfes. Wenn das Selbst doch wenigstens jetzt seinem zerrissenen Geist würde Einhalt gebieten können. Sie begann zu schluchzen.

Den zweiten Stein platzierte er am unteren Rücken in der Innenwölbung der Lendenwirbelsäule kurz über ihrem Becken. Dafür musste er ihr unter das Gesäß greifen. Medizinisch kühl und zugleich lüstern hob er ihren Unterleib an, indem er sich breitbeinig auf das Bett stelle und sich über sie beugte. Wie sie sein überlegenes Gehabe verfluchte. So jähzornig kannte sie sich nicht. Nur er war daran schuld, dass sie sich selbst auf so niedere Weise begegnen musste.

Es ist besser, wenn du deinen letzten Augenblick nicht kennst, schienen seine Augen auf psychopathische Weise zu verkünden. Sein Blick hatte inzwischen etwas Entrücktes an sich. Er war nicht mehr er selbst. Dachte sie. Als werde er von einer höheren Macht gesteuert, der er sich zur Gänze hingab. Er band nun ihre Beine fest zusammen, so dass ihr jede Bewegung unmöglich wurde. Fest gezurrt lag sie auf dem Bett mit zwei Steinen unter Hals und Becken. Sie verwünschte das Leben, nicht wissend, dass diese fernöstliche Heilmethode das Wunder ihrer Entspannung herbeiführen würde.

Sie atmete schwer. Der Druck der Steine auf ihre empfindlichen Körperregionen am Rücken wurde immer stärker. Wie sie ihn dafür hasste. Dabei würde er auf diese Weise lediglich ihre Hüftgelenke befreien. Und damit veraltete Muster auflösen, die sie durch verschiedene Leben hinweg mit sich trug. Nur wusste sie das nicht. Das Neuausrichten der Wirbelsäule ist zwar ein intensiver, aber umso befreiender Vorgang. Wenn man ihn zulässt. War das sein Wunsch? Befreiung? Muss man manchmal zu seinem Glück gezwungen werden, hörte sie sich lautlos fragen. Wie paradox es doch erscheinen mag, sich fesseln zu lassen um sich zu befreien.