In Vorfreude auf die folgenden Momente der Lust packte er sein mitgebrachtes Hab und Gut aus. Zuerst erblickten ihre Augen die typischen Liebesspielzeuge, welche sämtliche Körperregionen verwöhnen sollten. Von Liebeskugeln bis hin zum Luststab war alles dabei. Auch an ihr Lieblingsöl hatte er gedacht. Die Wonne begann in ihrer Lende hochzukochen als sie die Feder und die Kerze aus Bienenwachs sah. Sie verzehrte sich nach intensiven Gefühlen auf ihrer Haut. An der Grenze, die sie und die Welt trennte, nahm sie sich selbst unglaublich intensiv wahr. "Etwas Eis ist noch im Kühlschrank. Das wird heute eine heißkalte Erfahrung für dich Chérie" hauchte er in ihr Ohr und küsste danach ihre Wange zart.

Seinen Gesichtsausdruck zeichnete eine überlegene Zufriedenheit, die sich auch dann nicht änderte als er das große Jagdmesser auf den Nachttisch legte. Ihr Blick wurde ernst. "Was willst du damit?" fragte sie ihn sichtlich nervös. Stumm packte er den Knebel aus, den er ihr nun anlegte. So gern er mit ihr sprach, für das was kommen sollte, waren Worte nicht geeignet. Sie werden nicht das ausdrücken, was nun verkündet werden soll. Bewusst verband er ihre Augen nicht. Alles was nun zwischen ihnen zu sagen war, sollte sich durch Blicke verkünden. Ab jetzt sprachen ihre Seelen direkt über Augenkontakt miteinander ohne sich des Umweges über Geist und Mund zu bedienen.

Das hatte sie nicht erwartet. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte. Frage über Frage schoss ihr durch den Kopf. Hatte sie sich ihm zu weit geöffnet? Zeigte er nun sein wahres Ich? Würde sie hier lebend rauskommen? Ihr Herz raste. Die Aufregung trieb ihr den Schweiß auf die Stirn. Zur Lust kam erst Angst und dann Wut. Drei mächtige Energien, wenn sie sich verbünden. Bis hierher hatte sie die Männer stets auf Abstand gehalten. Keiner sollte ihr so schnell wieder zu nahe kommen. Zu sehr hatten sie ihr zuletzt zugesetzt. Niemand sollte mehr in den inneren Kreis gelangen. Das war sicher. Und nun lag sie hier festgezurrt an Bettpfosten und war ihm völlig ausgeliefert. Das flaue Gefühl im Bauch raubte ihr die geistige Klarheit.

Was würde nun geschehen? Hatte sie ihm irgendetwas getan, dass er so reagierte? Milde lächelnd beobachtete er ihre hektischen Gedanken durch den wütenden Ausdruck ihrer wunderschönen Augen. Welche Intensität sich doch mit einfachen Gesten erreichen ließ. An der hingebungsvollen Situation hatte sich eigentlich nichts geändert bis auf die Tatsache, dass neben dem Bett ein Werkzeug lag, das zum Ausweiden von Wild benutzt wird.

Sie bewegte ihren Körper ruckhaft als wollte sie sich dadurch aus ihrer Position lösen und schien dabei etwas in den Knebel zu fluchen. So sehr sie sich anstrengte und all ihre Kraft bemühte, schnell erkannte sie die ausweglose Situation. Aber auch ihr nun mitleidig gewordener Blick schien ihn nicht zu erweichen. Hatte er ihr nicht irgendwann einmal gesagt, dass er als ihr Guru versuchen würde, ihre Stärken wegzunehmen? Nun war es soweit...

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