Die Schneeflocken tanzten ihren Lieblingstanz. Wintersamba. Ein inniger Reigen gefrorener Kristalle. Sie führten ihn auf, während sie glücklich vom Himmel herabsanken. Zur kalten Jahreszeit amüsierte sich die Natur oft mit diesem Schauspiel. Nur die einsame Hütte in den Bergen wirkte beständig in diesem vergänglichen Spektakel. Schon bald würde nichts mehr an die Zeitlosigkeit dieses Augenblicks erinnern.

Inzwischen hatte die Wärme des Kamins den Raum für sich eingenommen. Das Holzfeuer war ein Segen in Tagen, die die Augen länger mit Dunkelheit begleiteten als mit Licht. Das wohlige Gefühl der Heimat in der Fremde hat auch mit den Gemächern zu tun, die einen umgeben. Der rustikale Verschlag bot genügend Platz um sich einander ungestört zu begegnen. Denn das war es, was beide suchten: Ruhe und Nähe.

"Ich habe dir versprochen, dich auf eine Reise mitzunehmen. Wollen wir los?" Sich die Mundwinkel nach dem langen Kuss trocknend, schaute sie ihn verdutzt an. "Jetzt?" fragte sie. Inzwischen war es dunkel draußen und an ein Aufbruch war zu dieser Tageszeit nicht zu denken. Eis und Schnee hatten die Landschaft voll in ihren Besitz genommen. Schon bei Tageslicht wäre ein längerer Ausflug nur mit entsprechender Ausrüstung und guter Vorbereitung möglich gewesen.

"Ja, jetzt. Wir müssen dafür nicht in die Kälte hinaus. Unsere Reise startet im Kopf. Sie beginnt in der Fantasie. In unserer." Er sprach den letzten Satz mit seinem typisch verführerischen Lächeln aus. Wohlwissend, dass es keine gemeinsamen Fantasien gibt. Nur die eigene Sehnsucht und deren tausend Wünsche. Wie wunderbar das Leben doch ist, wenn man jemand gefunden hat, der möglichst viele davon teilt, dachte er sich.

Da sie auch gerne im Unendlichen spazieren ging, war sie schnell einverstanden, sich auf den Trip ins Ungewisse einzulassen. Sie nickte zufrieden und schob ihren Mund wieder in Richtung des seinen. Ihre Lippen schmiegten sich zärtlich an seine. Ihm wurde schnell klar, warum sie die Treffen zwischen sich immer weiter herausgezögert hatte. Er war zu einer Gefahr für sie geworden. Denn in das Leben was ihr vorschwebte, passte er einfach nicht. Er war der Typ Mann, auf den sie sich voll und ganz einlassen musste. Und das wollte sie nicht. Nicht jetzt.