Sie trafen sich oben in der einsamen Hütte. Der Schnee hatte in den letzten Tagen alles getan, aus der kargen blattlosen Landschaft ein bezauberndes Märchenparadies zu erschaffen. Die Konturen der Hügel waren viel sanfter als noch Tage zuvor. Fast schien es so als schlucken die gefrorenen Kristalle alles Unwegsame. Die Entfernungen zum nächsten Tal muteten ewig an. Unter der weißen Pracht verborgen, bekam die Natur Zeit für sich. Alles zog sich ins Innere zurück, so wie sie.

„Schön, dass du hier bist. Ich habe dich unheimlich vermisst“ sagte sie und drückte ihn beherzt an sich. Er hatte diese Wohltat bei einem Wiedersehen noch nie gespürt. Ihr war anzumerken, dass sie sich wirklich freute. Ihr vertrauter Duft ließ ihn diese Energie umso intensiver wahrnehmen. Wie hatte er sich diesen Moment gewünscht. Sich danach gesehnt seine Zauberfee in seine Arme zu schließen. Moment, so bleibe doch! Sein innigster Wunsch würde noch ein wenig andauern, sich aber dann für immer auflösen.

Was für ein Drama die Zeit doch ist. In ihr bewegt sich alles Lebende. Sie ist die große Kraft des Werden und Vergehens. Sie gibt uns alles und nimmt es weg mit gleicher Güte. Diesen beständigen Wandel als Geschenk anzunehmen, fiel ihm damals noch schwer. Er hatte gerade zu viel von den Dingen verloren, die ihm bis dahin wichtig waren. Überall suchte er nun nach der Kraft sein Leben voller Zuversicht zu gestalten. Durch seinen gesenkten Blick übersah er die Zeichen am Horizont. Noch jedenfalls.

Ihr ging es auch nicht besser. Trotz ihres jungen Alters schien sie eine lange Reise hinter sich zu haben. Bei allem was sie tat, wirkte sie matt. Manchmal wachte sie für kurze Zeit auf, strahlte kurz und heftig um sich dann wieder in ihr Versteck zurück zu ziehen. Eigentlich war sie nie wirklich für einen längeren Zeitraum anwesend. Selbst in den zärtlich wilden Stunden, die sie beide zuvor erlebt haben, nahm er sie oft nur als teilweise anwesend wahr. Was blieb, war der Eindruck eines verborgenen Selbst.

Der Reiz war dennoch ungebrochen. Doch woher kam er? Was war die Faszination? Mit angeschlagenen Herzen waren sie einander begegnet. Mit schmerzlichen Gefühlen gingen sie oft ihrer Wege. Lange Zeit waren sie nur holprig unterwegs, dem anderen die eigenen Wünsche anzutragen. Fast mochte er glauben, dass er nicht mit ihr, aber auch nicht ohne sie leben konnte. Dabei hatte er die Sprache ihrer Liebe einfach noch nicht verstanden. Und sie seine nicht. Noch.