Sie trafen sich oben in der einsamen Hütte. Der Schnee hatte in den letzten Tagen alles getan, aus der kargen blattlosen Landschaft ein bezauberndes Märchenparadies zu erschaffen. Die Konturen der Hügel waren viel sanfter als noch Tage zuvor. Fast schien es so als schlucken die gefrorenen Kristalle alles Unwegsame. Die Entfernungen zum nächsten Tal muteten ewig an. Unter der weißen Pracht verborgen, bekam die Natur Zeit für sich. Alles zog sich ins Innere zurück, so wie sie.

Die Schneeflocken tanzten ihren Lieblingstanz. Wintersamba. Ein inniger Reigen gefrorener Kristalle. Sie führten ihn auf, während sie glücklich vom Himmel herabsanken. Zur kalten Jahreszeit amüsierte sich die Natur oft mit diesem Schauspiel. Nur die einsame Hütte in den Bergen wirkte beständig in diesem vergänglichen Spektakel. Schon bald würde nichts mehr an die Zeitlosigkeit dieses Augenblicks erinnern.

Der letzte Sonnenuntergang war unbeschreiblich schön. Kurz bevor sie die Hütte betrat, gönnte sie diesem Naturwunder noch einige Augenblicke. Das Firnament versank in purpurroter Fülle, die zarten Wolken strahlten um die Wette. Welche Figur des Himmels würde wohl ihr Auge am längsten fesseln? Sehnsüchtig den schwindenden Tag beseufzend, füllte sie ihre Lungen nochmal mit der klaren kühlen Bergluft. So schmeckte das friedvolle Leben.