Die letzten Wochen des Jahres verbringe ich viel in BM. Ab und zu reise ich und versuche die Geschäfte aufrecht zu halten. Es gelingt mir wirklich gut auch weil jeder Verständnis für die Situation hat. Ich rede viel mit Freunden und Bekannten und werde mir auf diese Weise dieser schier unwirklichen Monate immer bewusster.

Mittendrin treffe ich auch meinen Vater wieder. Zum zweiten Mal im Leben. Wir unterhalten uns zum ersten Mal allein und lernen uns etwas besser kennen. Wie machtvoll die Biologie doch ist. Da sieht man sich 34 Jahre nicht und ist sich trotzdem unglaublich ähnlich. Wir verstehen beide, dass wir nie eine „richtige“ Vater-Sohn-Beziehung haben werden. Dafür sind zu viele Jahre verloren. Was bleibt ist der Aufbau einer Freundschaft. Doch das will ich zurzeit nicht. Und er hat keine Zeit.

Meine Mutter ist nicht einverstanden mit meinem Vorgehen. Ich rede in der Zeit nicht viel mit ihr und sie fühlt sich ausgeschlossen aus meinem Leben. Die Treffen mit meinem Vater erbauen sie nicht. Sie hatte jeglichen Kontakt zu ihm über all die Jahre unterbunden. Keine Ahnung, ob das gut oder schlecht ist. Es ist einfach so.

Die orientalische Zauberfee kann sich nur für vier Wochen zurückhalten und ruft mich eines Tages an. Wir quatschen wie in alten Zeiten, verabreden aber keine nähere Bindung. Da ich trotzdem noch viel für sie empfinde, schreibe ich ihr Gedichte und Kurzgeschichten. Auf diese Weise kann ich meine Gefühle voll ausleben, ohne dass sie mich verletzt.

Momentan ist die Hauptfigur, die ihr nicht unähnlich ist, am Bett gefesselt und mir ausgeliefert. So kann ich jeden Tag darüber nachdenken, was ich wohl als nächstes mit ihr anstelle. Ich brauche das für meine Fantasieabfuhr. Wenn ich sie schon nicht körperlich in meiner Nähe haben kann, dann eben in Gedanken. Sehr reizvoll zuweilen...

Das Weihnachtsfest rückt immer näher und ich habe ein wenig Bammel davor. Entgegen meiner Erwartungen wird es aber eine unglaublich friedvolle und besinnliche Zeit. Ich treffe im Yogahaus ständig auf bekannte Gesichter und habe endlich wieder etwas Spaß im Leben. So langsam geht es bergauf. Die rabenschwarzen Stunden sind vorüber, bis zur vollständigen Heilung dauert es wohl noch an.

Rückblickend kann ich sagen, dass mir neben M. vor allem zwei Dinge das Leben gerettet haben. Yoga und Essen. Diese beiden Ereignisse am Tag geben mir Struktur und den Willen weiterzumachen. Denn dies ist das Wichtigste zurzeit: Durchkommen und nicht aufgeben, auch wenn der Tod immer noch eine sehr verlockende Alternative ist.