Am ersten Novemberwochenende treffe ich die yogische Schönheit im Westerwald. Das Wiedersehen ist wundervoll, aber es hat sich auch etwas verändert. Ich trete ihr nicht mehr so offen gegenüber. Musste lernen, dass sie rücksichtslos ihr Ding durchzieht. Und mir dabei weh tut. Die Tage werden anstrengend. Zwischen uns fließt es nicht mehr so wie zuvor. Sie scheint mit den Gedanken häufig woanders und ich mag mir nicht vorstellen wo. Durch meine Fragen bestärkt, erzählt sie von ihren Erlebnissen. Das kühlt meine Leidenschaft auf null herunter.

Nach einer schlaflosen Nacht beschließe ich der Geschichte ein Ende zu setzen. Zumindest für jetzt. Ich muss weg von ihr. Sie gibt zu, dass sie momentan die Männer als eine Art Tankstelle benutzt. Sie saugt deren männliche Energie ab und zieht dann weiter zum nächsten. Dafür habe ich keine Kraft in diesen Tagen. Es wird eineinhalb Jahre dauern bis wir uns wiedersehen. Zu intensiv ist die Nähe des anderen für uns. Wir spüren, dass wir beide eigentlich mehr wollen, aber es dafür einfach nicht die Zeit ist. Vielleicht ist sie es nie. Wer weiß...

Auch wenn in diesem Schicksalsjahr fast alle Stricke gerissen sind, einer hält. Ich kann mich auf meine Auftraggeber verlassen. Sie stehen zu mir und reichen mit Bedacht immer wieder Arbeit rüber. So kann ich in aller Ruhe mein chaotisches Leben neu ordnen. Zumindest an Geld scheitert es zurzeit nicht. Das ist sehr beruhigend und entspannt auch die zertrümmerte Ehegemeinschaft. Wenigstens an diesem Punkt.

Ich habe derweil beschlossen mich von A. zu trennen. Ich kann ihr nicht mehr der Mann sein, der ich sein will und muss erst mal mit mir klarkommen. Sie kämpft wie eine Löwin um die Beziehung. Auch wenn ich ihr große Schmerzen bereitet habe, sie ist bereit weiterzumachen. Mit mir. Zwischenzeitlich denkt sie sogar über eine offene Ehe nach. Soll ich doch durch die Weltgeschichte vögeln, solange ich immer wieder zu ihr zurückkomme. Sie ist wirklich tapfer und steht selbst nach solchen Eskapaden zu mir. Womit habe ich das verdient?

Inzwischen haben wir unsere Wohnung zum Jahresende gekündigt und beginnen mit den Vorbereitungen für den Umzug. Ich ziehe in mein Zimmer in BM und sie sucht sich selbst eine Wohnung. Ich kann wirklich nicht mehr. Nach fast zwei Jahren Schwermetallausleitung bin ich am Ende. Ich schlafe kaum eine Nacht durch, meine Neurodermitis frisst sich die obere Peripherie hoch. Und mein Darm macht was er will. Ich drehe noch durch. Und brauche jetzt Ruhe.

Mitte November sage ich M., dass ich nicht mehr so weitermachen kann. Ich möchte, dass wir unseren Austausch für eine Weile ruhen lassen, damit ich mein Leben wieder auf die Reihe bekomme. Ich muss auch A.s Angebot ausschlagen. Will einen Schlussstrich ziehen. Nach zehneinhalb Jahren ist das alles andere als einfach. Aber notwendig. Ich überlasse ihr bis auf ein paar Sachen die komplette Wohnungsausstattung. In mein neun Quadratmeter kleines Zimmer in BM passt sowieso nichts rein. Sie kann es gern haben, ich will und brauche es nicht.

Wir haben den toten Engel nach der Geburt nicht anschauen wollen. Das wäre zu viel gewesen. Die Hebamme hat sie uns beschrieben und glücklicherweise ein paar Fußabdrücke genommen. Ein Online-Shop bietet an, daraus einen Anhänger für eine Halskette zu machen. Wir wollen sie immer bei uns tragen und haben die niedlichen Füßchen in Silber verewigen lassen.