Zum Glück kommen nun auch meine Freunde auf mich zu. Sie geben mir Kraft und wollen mir helfen. Da kommt mir die Einladung zu einem Männerwochenende auf Sylt gerade recht. Es ist Finale des Surf-Weltcups. Wir verleben fantastische Tage auf dieser wunderschönen Insel. Wir essen gut, gehen in die Sauna und in die Nordsee baden. Wir lassen es uns wirklich gut gehen, machen abends Party und treffen ein paar Mädels. Ich knutsche mich wild mit einer Spanierin und kann für Momente das Leben genießen als wäre nichts gewesen.

Es hört aber nicht auf zu pieken. Inzwischen ist ein Monat vergangen, der allerschlimmste Schmerz ist überstanden. Ich fühle mich trotzdem so kraftlos wie noch nie in meinem Leben. Wieder ist mein indisches Herz die Rettung. Diese Frau trägt unendlich viel Weisheit und Liebe in sich, ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert und fühle mich geehrt sie zu kennen. Sie gibt mir die Kraft diese dunklen Tage zu überstehen. Durch sie verspüre ich den Antrieb aufzustehen und etwas halbwegs Sinnvolles zu tun. Ohne sie wäre ich verloren.

Bei ihr steht Mitte Oktober die Abgabe der großen Zulassungsarbeit an und wir verbringen viel Zeit am Telefon. Am letzten Tag machen wir die Nacht durch und schreiben bis in die frühen Morgenstunden an den letzten Absätzen. Sie sagt, dass dies nicht ihre sondern unsere Arbeit ist und ist mir unendlich dankbar. Ich ihr auch. So kann ich ihr wenigstens ein wenig von dem zurückgeben, was ich von ihr empfangen habe. Das macht mich glücklich.

Leider entwickelt sich unsere Zweisamkeit danach völlig anders als ich es mir wünsche. Wir verabreden uns für Anfang November im Westerwald. Ich leide unglaublich in den fünf Wochen zwischen unseren beiden Treffen. Sie ist so jung, erfahrungshungrig und lebt ihre Neugier voll aus. Wir haben Satya vereinbart und wollen uns immer wahrhaftig gegenüber sein. Sie erzählt mir von ihren Vergnügungen, die häufig auch andere Typen miteinschließen. Ich sterbe jedes Mal einen kleinen Tod, komme aber nicht von ihr los. Sie hat mich verhext.

A. bekommt jetzt natürlich voll mit, was läuft. Ich gebe mir keine Mühe mich zu verstellen und verletze sie dadurch. Ihre Freunde gehen auf Distanz zu mir, aus deren Sicht bin ich der Arsch. Natürlich. Irgendwo haben sie Recht, aber nun ist es besser für den gehasst zu werden, der ich bin, als für den Geliebt zu werden, der ich nicht bin. Die traurigen Erlebnisse geben mir endlich den Mut mit mir und meinen Gefühlen in Übereinstimmung zu leben. Auch wenn das zum unpassendsten aller Zeitpunkte kommt.