Was für ein Jammer, aber für Schluchzen ist jetzt keine Zeit. Der Krankenwagen ist da und die beiden hilfsbereiten Männer vom Rettungsdienst geben ihr Bestes. Die Hebamme war früher Krankenschwester und schickt die Jungs gekonnt in die Spur. Es klappt alles wie am Schnürchen. Keine 20 Minuten später sind wir im Krankenhaus, auch hier befehligt Hebammen-A. die Mannschaft. Sie sagt, was zu tun und zu lassen ist und nimmt uns damit jegliche zusätzliche Last ab.

Ich kann nicht klar denken. A. geht es den Umständen entsprechend gut, sie ist zäh und stemmt sich mit allem was sie hat gegen diesen Verlust. Wir weinen immer wieder, die Ärztin kommt ab und zu und hängt was Neues an den Tropf. Sie sagt beruhigende Worte, was soll sie auch sonst tun. Wir müssen jetzt essen. Ich hole schnell was und wir speisen im Krankenzimmer chinesisch. Nach so viel Trubel tut die warme Mahlzeit gut. Trinken nicht vergessen. Durchatmen.

Hebammen-A. lenkt die Geschicke mehr als souverän. Irgendwann mittendrin merkt sie an, die Kleine nun mit in die Kühlung zu nehmen. Ich erinnere mich an meine zynische Idee, ob sie wohl das Kind bei sich in den Tiefkühler lege. Und sage es laut. Mit einer Mischung aus Hilfsbereitschaft und Bedauern sagt sie den unvergesslichen Satz: "Nein, mein Mann ist Bestatter." Ich falle vom Glauben ab. Wer hat sich so etwas ausgedacht? Das ist doch alles nicht wirklich, oder?

Die Routineuntersuchungen dauern an. Wir versuchen zu verstehen, was passiert ist. Es gelingt nicht. Mein Herz und Verstand liegen im Disput. Eigentlich bin ich verliebt in eine andere und meine Frau hat gerade unser Kind verloren. Die Zerrissenheit nagt an mir wie nichts Gutes. Ich fühle mich hundeelend und A. geht es nicht besser. Nur hat das bei ihr andere Gründe. Ich fasse den Entschluss, ihr bald von meiner Affäre zu erzählen.

Ich weiß, das reißt ihr nochmal die Beine weg, aber mir bleibt keine Wahl. Ich bin dabei mein eigenes Kind zu Grabe zu tragen, nun ist alles andere unwichtig. Ab jetzt gibt es keine Masken mehr, jetzt zählt nur noch die Wahrheit. Um 23 Uhr sind wir wieder zuhause und liegen im Bett als wäre nichts gewesen. Wir können nicht begreifen was passiert ist. Es gibt keine Worte um unsere Gefühle zu beschreiben.