So fühlt es sich an im Maschinenraum des Lebens. Tief unten werkelnd im Souterrain der Seele. Noch kurz vor der Ausbildung flaniere ich frohen Mutes auf den touristisch kolorierten Straßen rund um die Brücke Laksman Jhula. Wie zu besten deutschen Wahlkampfzeiten sind hier die Lichtmasten beflastert. Mit allerlei Offerten aus der Welt des Yoga, Ayurveda und Tantra. Mein Blick streift ein Poster mit dem sich der gemeine Westler uneingeschränkt identifizieren kann. Und will. Triggert es doch das Kardinalversprechen fernöstlicher Spiritualität an und verspricht ultimative Erfahrungen auf dem Jakobsweg der Yogis: "Let's discover Guru inside." Der hinduistische Camino führt allerdings nicht nach Santiago de Compostela, sondern Richtung Samadhi, der seligmachenden Endstufe menschlichen Bewusstseins. Auf geht's!

Indien verschlingt dich mit Haut und Haaren, kaut dich richtig durch und lässt dir schließlich zwei Optionen. Wobei - ehrlich gesagt - eine Wahl hast du eigentlich nicht. Entweder wirst du gnädigerweise verschluckt. Dann bist du mittendrin, genießt die Karma-Waschmaschine und hast dich in das Chaos verliebt. Oder du wirst verächtlich ausspuckt. Untrügliches Zeichen dafür ist das Gefühl die Anreise sogleich zu bedauern und eine Wiederkehr kategorisch auszuschließen.

Das Leben ist schön. Im Mai. An der Cote d'Azur. Angenehme 20 Grad, die Sonne nicht zu heiß, es weht ein laues Lüftchen. Am Flughafen von Nizza begegnet einem gleich die französische Lebensart. Der Kurzzeitparkplatz heißt hier "Kiss and Fly" und während die begüterten Damen ihre erfolgreichen Ernährer mit einem Luftkuss aus der höhergelegten Edelkarosse verabschieden, suchen wir derweil nach Bus Nummer 23. Für ein Euro fünfzig fährt das öffentliche Großraum-Sammeltaxi in die Innenstadt.

Geliebte,

eine gefühlte Ewigkeit ist es nun her seit ich die Lust verspürte dir zu schreiben. Ich habe aber keine Kraft gefunden dies zu tun. Heute möchte ich dir schreiben warum. Leider ist so ziemlich das Schlimmste passiert, was geschehen konnte. Aber eins nach dem anderen. Bitte hinsetzen, entspannt atmen und los geht‘s.